Wobei das Polyvagaltraining unterstützen kann: Manchmal fühlt sich der eigene Zustand nicht mehr stimmig an. Der Kopf ist voll, der Körper angespannt, und selbst in ruhigen Momenten stellt sich keine echte Entlastung ein. Man funktioniert, aber innerlich bleibt eine Unruhe.
Oft hat das weniger mit der konkreten Situation zu tun als mit dem autonomen Nervensystem – Parasympathikus und sein Gegenspieler Sympathikus. Diese Begriffe haben Sie vielleicht schon einmal gehört. Und dabei spielt der Vagusnerv als Teil des parasympathischen Systems eine zentrale Rolle.
Wenn das Nervensystem nicht mehr runterfährt (oder sogar schon abschaltet)
Das Gefühl von Sicherheit ist für das autonome Nervensystem das Wichtigste. Dieses Sicherheitsgefühl entsteht im Körper.
Der Vagusnerv ist ein wichtiger Teil Ihres (parasympathischen) Nervensystems. Er beeinflusst, ob Sie sich sicher und entspannt fühlen oder unter Spannung stehen. Das autonome Nervensystem wirkt im Hintergrund und entscheidet, wie Ihr Körper auf Belastung und gefühlte Bedrohung reagiert und wie gut Sie danach wieder zur Ruhe finden.
Viele Menschen verbringen heute viel Zeit in einem Zustand erhöhter Anspannung, die dann auch in Überforderung und Antriebslosigkeit münden kann. Der Körper bleibt dabei in Alarmbereitschaft, auch wenn es keinen konkreten Anlass mehr gibt. Das kann sich durch innere Unruhe, schnelle Erschöpfung oder ständiges Grübeln zeigen. Es kann auch mit Gefühlen wie Reizbarkeit, Unsicherheit und permananter Anspannung verbunden sein.
Hier setzt die Polyvagaltheorie und das polyvagale Training an.
Warum der Vagusnerv so entscheidend ist
Der Vagusnerv ist zentraler Teil des parasympathischen Nervensystems und wirkt wie ein inneres Regulierungssystem. Er steuert mit, wie sicher Sie sich fühlen – und genau dieses Gefühl von Sicherheit ist die Grundlage dafür, dass sich der Körper entspannen kann. Und sich Ihr autonomes Nervensystem mit Parasympathikus und Sympathikus schneller wieder in einem regulierten und sicheren Zustand, also im Gleichgewicht befindet.
Ist das der Fall, fällt es leichter, klar zu denken, mit anderen und auch mit sich selbst gut in Kontakt zu sein und den eigenen Alltag ruhig zu bewältigen. Ist dieses Gleichgewicht gestört, bleibt der Körper oft in Anspannung hängen, auch wenn der Kopf längst „weiß“, dass alles in Ordnung ist. Die Folge: Emotionale Stressreaktionen in Form von unterschwelligen Gefühlen als ständige Begleiter, wie etwa Nervosität, Unsicherheit, Gereiztheit, Frustration, Getriebensein, Wut, Angst, Panik, Hilflosigkeit, Rückzug.
Durch die Aktivierung und Stärkung des Vagusnervs finden Sie schneller wieder aus einer mentalen oder körperlichen Überreaktion, einem übersteigerten Gefühl (wie Angst, Wut oder Ohnmacht) heraus.
Wie wir im Polyvagaltraining mit dem Vagusnerv arbeiten
Gefühlte Sicherheit ist laut Polyvagaltheorie die wichtigste Voraussetzung für unser Wohlbefinden. Im polyvagalen Training widmen wir uns Ihrem Nervensystem, genauer gesagt, den unterschiedlichen Zuständen und Stressreaktionen Ihres autonomen Nervensystems, und wie Sie sie erkennen und zuordnen können. Dadurch lernen Sie, ein sicheres Gefühl in Ihrem Körper zu aktivieren, sodass Sie sich ruhiger fühlen, bessere Beziehungen und Kommunikation haben und bessere Entscheidungen treffen können.
Wir können unser Nervensystem umtrainieren, seine gewohnten Reaktionswege überschreiben. Im Polyvagaltraining geht es darum, Ihr autonomes Nervensystem besser zu verstehen und wieder aktiv beeinflussen zu können.
Der Vagusnerv wird dabei gezielt angesprochen und aktiviert – über einfache Übungen, die sich gut in den Alltag integrieren lassen. Das kann über die Atmung geschehen, über die Wahrnehmung des eigenen Körpers oder über kleine Impulse mit Stimme und Bewegung.
Diese Zugänge wirken direkt auf das autonome Nervensystem und helfen dem Körper, Schritt für Schritt wieder in einen ruhigeren, regulierten und vor allem sicheren Zustand zu finden.
Zurück in einen stabileren Zustand
Es geht nicht darum, Stress komplett zu vermeiden. Entscheidend ist, dass Sie lernen, Ihren eigenen Zustand früher zu erkennen und selbst darauf zu reagieren, (wenn Sie in eine Überreaktion oder in eine Art Erstarrung fallen).
Wenn der Vagusnerv wieder besser reguliert, fällt es leichter, aus der Anspannung auszusteigen und das Nervensystem wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Viele Menschen erleben dadurch mehr Ruhe, mehr Stabilität und einen klareren Umgang (mit sich und mit anderen) und mit dem, was sie beschäftigt.
Was Sie für sich mitnehmen können
Mit der Zeit entwickeln Sie ein besseres Gefühl für sich selbst. Sie merken früher, wenn in Ihnen Stress entsteht, und wissen, was Ihnen konkret hilft.
Der regulierte und sichere Zustand wird so zunehmend zu einer Art innerem Anker. Statt sich ausgeliefert zu fühlen, entsteht Schritt für Schritt mehr Sicherheit im Umgang mit dem eigenen Erleben.
Die Arbeit kann gut mit Gesprächen kombiniert werden oder für sich allein stehen – je nachdem, was Sie in Ihrer Situation am meisten unterstützt. Sie lernen, Ihre Wahrnehmung zu schulen, indem Sie beschreiben, erkennen, beobachten und reflektieren.
Resilienz trainieren
Je öfter Sie die Erfahrung von gefühlter Sicherheit haben, desto besser werden Ihr Wohlbefinden und Ihre Leistungsfähigkeit. Damit ist das Polyvagaltraining ein wichtiger und positiver Beitrag zur Gesundheit. Sie lernen, sich flexibel und elastisch an stressreiche Episoden, plötzliche Veränderungen und Herausforderungen anzupassen.
Und last but not least: Ein starker Vagusnerv wirkt sich positiv auf Ihr Immunsystem aus.
Wenn Sie mehr darüber wissen wollen, wie das konkret für Sie aussehen kann, melden Sie sich gerne für ein kostenloses telefonisches Erstgespräch.